Dieselfahrzeuge

Mercedes Thermofenster: Was Diesel-Halter in Österreich wissen sollten

Viele Mercedes-Diesel mit den Abgasnormen Euro 5 und Euro 6b haben ein sogenanntes Thermofenster: Die Software drosselt die Abgasreinigung, wenn es draußen zu kalt oder zu warm ist. Deshalb hat das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt 2018 und 2023 Rückrufe angeordnet. Im November 2025 hat der Oberste Gerichtshof in Österreich in einem Mercedes-Fall entschieden: Ein solches Thermofenster ist verboten, auch nach dem Software-Update. Einige Fragen muss jetzt noch der Europäische Gerichtshof klären.

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Bonadis Prozessfinanzierung GmbH, Wien

Steckbrief

Wer ist betroffen
Käufer von Mercedes-Dieseln mit Euro 5 oder Euro 6b, neu oder gebraucht gekauft. Genannt werden unter anderem C-Klasse, GLC, Vito und V-Klasse.
Worum es geht
Die Software drosselt die Abgasreinigung, wenn es draußen kälter oder wärmer ist (Thermofenster). Der Oberste Gerichtshof hält das für verboten. Käufer können vom Hersteller Schadenersatz verlangen, wenn ihnen dadurch ein Schaden entstanden ist.
Seit wann
Rückrufe 2018 und 2023, Urteil des Obersten Gerichtshofs im November 2025.
Aktueller Stand
Der Europäische Gerichtshof muss noch einige Fragen klären, vor allem zu Autos, die das Abgas zusätzlich mit AdBlue reinigen. Diese Fälle warten auf die Antwort.
Hersteller
Mercedes-Benz Group AG, Stuttgart (früher Daimler AG)
Motoren
Unter anderem OM 651 (2,1 Liter) und OM 622 (1,6 Liter)

Was ist ein Thermofenster beim Diesel?

Ein Thermofenster ist eine Funktion der Motorsoftware. Diesel verringern den Ausstoß von Stickoxiden unter anderem mit der Abgasrückführung: Ein Teil des Abgases wird zurück in den Motor geleitet. Bei vielen Fahrzeugen arbeitet diese Reinigung nur in einem bestimmten Bereich der Außentemperatur voll. Ist es kälter oder wärmer, wird sie zurückgefahren, und der Ausstoß von Stickoxiden steigt. Dieser Temperaturbereich heißt Thermofenster. Gerichte sprechen von einer Abschalteinrichtung, weil die Abgasreinigung dabei teilweise abgeschaltet wird.

Welche Mercedes-Diesel sind betroffen?

Es geht vor allem um Mercedes-Diesel mit den Abgasnormen Euro 5 und Euro 6b, egal ob Pkw oder Van und egal ob neu oder gebraucht gekauft. In den Rückrufen und Urteilen tauchen vor allem zwei Motoren auf:

  • OM 651: ein Vierzylinder-Diesel mit 2,1 Litern, den Mercedes in sehr vielen Modellen eingebaut hat. Um diesen Motor ging es im Urteil des Obersten Gerichtshofs vom November 2025 (ein V 250 CDI) und in einem Fall von 2026 (ein GLC 250d).
  • OM 622: ein kleinerer Diesel mit 1,6 Litern, unter anderem im Vito.

Welche Baujahre sind betroffen?

Entscheidend ist die Abgasnorm, nicht das Baujahr. Gemeint sind vor allem Autos mit Euro 5 oder Euro 6b. Solche Autos wurden etwa zwischen 2009 und 2019 zum ersten Mal zugelassen. Welche Abgasnorm Ihr Auto hat, steht im Zulassungsschein.

In welchen Modellen steckt der OM 651?

Mercedes hat den OM 651 von 2008 bis 2019 in fast allen Modellreihen eingebaut, zum Beispiel:

  • A-Klasse, B-Klasse, CLA und GLA, etwa als A 200 d oder B 220 CDI
  • C-Klasse und E-Klasse, etwa als C 220 CDI, C 250 d oder E 250 CDI
  • SUV wie GLK, GLC und ML, etwa als GLC 220 d oder GLC 250 d
  • CLS, S-Klasse und SLK
  • Vans und Transporter: Vito, Viano, V-Klasse und Sprinter

Wie finde ich heraus, ob mein Mercedes betroffen ist?

Drei Dinge geben einen ersten Hinweis: die Abgasnorm im Zulassungsschein (Euro 5 oder Euro 6b), der Motor und ob Sie ein Rückrufschreiben bekommen haben oder ein Software-Update gemacht wurde. Mercedes schreibt die Halter bei diesen Rückrufen an. Wer gebraucht gekauft hat, kennt das Schreiben aber oft nicht. Ob ein Update aufgespielt wurde, lässt sich über die Fahrgestellnummer herausfinden.

Mercedes-Rückruf wegen Thermofenster: 2018 und 2023

Im Juni 2018 ordnete das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt einen Rückruf für Mercedes-Diesel wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen an. In Österreich waren rund 18.000 Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 6b betroffen, darunter C-Klasse und GLC mit Vierzylinder-Diesel sowie der Vito. Für die Fahrzeuge gab es ein Software-Update.

Im Dezember 2023 ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt einen weiteren Rückruf an, diesmal ausdrücklich wegen des Thermofensters. Betroffen sind mehr als 100.000 Diesel, vor allem mit den Abgasnormen Euro 5 und Euro 6b. Auch sie bekommen ein Software-Update.

Gibt es eine Entschädigung? Urteile von EuGH und OGH

Seit 2022 haben der Europäische Gerichtshof und der Oberste Gerichtshof in Österreich mehrmals zum Thermofenster entschieden. Kurz gesagt: Käufer können vom Hersteller Schadenersatz verlangen, wenn ihnen durch das Thermofenster ein Schaden entstanden ist.

EuGH 2022: Thermofenster grundsätzlich verboten

Der Europäische Gerichtshof hat im Juli 2022 entschieden, dass ein Thermofenster grundsätzlich verboten ist. Erlaubt ist es nur, wenn es den Motor vor einem unmittelbaren Schaden schützt. Wenn die Abgasreinigung den größten Teil des Jahres gedrosselt ist, reicht das nicht.

EuGH 2023 und 2025: Schadenersatz vom Hersteller

Im März 2023 entschied der Europäische Gerichtshof in einem Mercedes-Fall: Wer ein Auto mit verbotener Abschalteinrichtung gekauft hat, kann vom Hersteller Schadenersatz verlangen, wenn ihm dadurch ein Schaden entstanden ist (C-100/21). Im August 2025 stellte er klar: Der Hersteller kann sich nicht darauf ausreden, dass die Behörde das Auto genehmigt hat (C-666/23).

OGH 2025: Urteil zum Mercedes V 250 CDI mit OM 651

Am 11. November 2025 hat der Oberste Gerichtshof über einen gebraucht gekauften Mercedes V 250 CDI mit dem Motor OM 651 und Euro 6b entschieden (1 Ob 116/25b). Sein Ergebnis: Auch das Thermofenster, das nach dem Software-Update noch übrig war, ist verboten. Mit dem Schutz des Motors lässt es sich in diesem Fall nicht rechtfertigen.

Wie hoch ist der Schadenersatz laut OGH?

Nach dem Obersten Gerichtshof entsteht der Schaden schon beim Kauf, außer das Auto entsprach trotzdem genau dem, was der Käufer wollte. Die Höhe ist zwischen 5 und 15 % des Kaufpreises zu schätzen. Offen war im konkreten Fall noch, ob der Käufer das Auto in Kenntnis des Thermofensters anders gekauft hätte. Das muss jetzt das Gericht der ersten Instanz klären.

Aktueller Stand: Was ist im Mercedes-Dieselskandal noch offen?

Seit März 2026 hat der Oberste Gerichtshof dem Europäischen Gerichtshof in vielen Dieselfällen neue Fragen gestellt, im April 2026 auch in einem Fall zu einem Mercedes GLC 250d mit dem Motor OM 651 (10 Ob 23/26v). Diese Autos haben zusätzlich einen SCR-Katalysator, der das Abgas mit AdBlue reinigt. Der Europäische Gerichtshof soll nun klären:

  • Kommt es auf die ganze Abgasreinigung an oder auf ein einzelnes Teil wie das Thermofenster?
  • Muss das Auto zusätzlich einen Grenzwert überschreiten?
  • Was muss der Käufer beweisen, und was der Hersteller?
  • Müssen die Grenzwerte auch beim normalen Fahren gelten, nicht nur auf dem Prüfstand?

Was bedeutet das für laufende Verfahren in Österreich?

Die Fälle, in denen der Oberste Gerichtshof diese Fragen gestellt hat, warten jetzt auf die Antwort aus Luxemburg. Wann sie kommt, ist nicht bekannt. Das Urteil vom 11. November 2025 gilt weiter.

Die wichtigsten Daten

  1. Erster Rückruf für Euro-6b-Diesel

    Das Kraftfahrt-Bundesamt ordnet einen Rückruf wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen an. In Österreich sind rund 18.000 Fahrzeuge betroffen.[9]

  2. Europäischer Gerichtshof: Thermofenster grundsätzlich verboten

    Eine Ausnahme kommt nur zum Schutz des Motors vor unmittelbaren Schäden in Betracht.[6]

  3. Europäischer Gerichtshof: Schadenersatz gegen den Hersteller möglich (C-100/21)

    Käufer können vom Hersteller Schadenersatz verlangen, wenn ihnen durch eine verbotene Abschalteinrichtung ein Schaden entstanden ist.[4]

  4. Zweiter Rückruf wegen des Thermofensters

    Das Kraftfahrt-Bundesamt ordnet für mehr als 100.000 Diesel mit Euro 5 und Euro 6b ein Software-Update an.[10][11]

  5. Europäischer Gerichtshof: Typgenehmigung entlastet nicht (C-666/23)

    Der Hersteller kann sich nicht darauf berufen, er habe sich auf die behördliche Genehmigung verlassen.[5][1]

  6. Oberster Gerichtshof: Thermofenster im Mercedes V 250 CDI verboten (1 Ob 116/25b)

    Auch das Thermofenster nach dem Update ist eine verbotene Abschalteinrichtung. Der Schaden ist innerhalb von 5 bis 15 % des Kaufpreises zu schätzen. Die Sache geht zurück an das Erstgericht.[1]

  7. Oberster Gerichtshof legt dem Europäischen Gerichtshof neue Fragen vor

    Es geht um Gesamtsystem oder Bauteil, Beweislast und Realbetrieb, auch in einem Fall zu einem Mercedes GLC 250d (10 Ob 23/26v). Die Verfahren ruhen.[3][2]

Der Ablauf

In drei Schritten zu Ihrem Recht.

  1. Schritt 1

    Fall einreichen

    Beantworten Sie über das Formular einige Fragen zu Ihrem Fall. Die Anfrage ist kostenlos und unverbindlich.

  2. Symbolbild: Rechtsanwalt
    Schritt 2

    Anwalt übernimmt Ihren Fall

    Ein spezialisierter österreichischer Rechtsanwalt setzt Ihren Anspruch durch. Bonadis organisiert das Verfahren.

  3. Schritt 3

    Auszahlung erhalten

    Wann und in welcher Höhe, regelt Ihre Vereinbarung mit Bonadis.

Häufige Fragen zum Thermofenster bei Mercedes

Was ist ein Thermofenster beim Diesel?

Ein Thermofenster ist eine Funktion der Motorsoftware. Sie lässt die Abgasrückführung eines Diesels nur in einem bestimmten Bereich der Außentemperatur voll arbeiten und fährt sie außerhalb davon zurück. Dadurch steigt der Ausstoß von Stickoxiden.

Welche Mercedes-Diesel sind betroffen?

Vor allem Diesel mit den Abgasnormen Euro 5 und Euro 6b, Pkw ebenso wie Transporter. Genannt werden in Rückrufen und Entscheidungen vor allem die Motoren OM 651 und OM 622, unter anderem in C-Klasse, GLC, Vito und V-Klasse. Ob ein bestimmtes Fahrzeug erfasst ist, hängt von Variante, Baujahr und Abgasnorm ab.

Welche Baujahre sind vom Mercedes-Dieselskandal betroffen?

Maßgeblich ist die Abgasnorm im Zulassungsschein. Fahrzeuge mit Euro 5 und Euro 6b wurden etwa zwischen 2009 und 2019 erstmals zugelassen.

In welchen Modellen wurde der OM 651 verbaut?

Mercedes hat den OM 651 von 2008 bis 2019 in fast allen Modellreihen eingebaut, unter anderem in A-, B-, C-, E- und S-Klasse, CLA, CLS, GLA, GLK, GLC und ML sowie in Vito, Viano, V-Klasse und Sprinter. Um diesen Motor ging es im Urteil des Obersten Gerichtshofs vom November 2025.

Wie kann ich prüfen, ob mein Mercedes vom Rückruf betroffen ist?

Einen ersten Hinweis geben die Abgasnorm im Zulassungsschein, der Motor und ob Sie ein Rückrufschreiben bekommen haben. Mercedes schreibt die Halter bei diesen Rückrufen an. Ob ein Software-Update aufgespielt wurde, lässt sich über die Fahrgestellnummer herausfinden.

Gibt es einen Rückruf für Mercedes-Diesel wegen des Thermofensters?

Ja. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt hat im Juni 2018 und im Dezember 2023 Rückrufe für Mercedes-Diesel angeordnet, der zweite ausdrücklich wegen des Thermofensters. Die Fahrzeuge bekommen ein Software-Update. In Österreich waren vom ersten Rückruf rund 18.000 Fahrzeuge betroffen.

Gibt es eine Entschädigung im Mercedes-Abgasskandal?

Nach dem Europäischen Gerichtshof können Käufer vom Hersteller Schadenersatz verlangen, wenn ihnen durch das Thermofenster ein Schaden entstanden ist. Der Oberste Gerichtshof hat im November 2025 in einem Mercedes-Fall entschieden, dass das Thermofenster auch nach dem Software-Update verboten ist. Ob und in welcher Höhe ein Anspruch besteht, kann nur im Einzelfall geprüft werden.

Wie hoch ist der Schadenersatz beim Thermofenster?

Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs vom November 2025 liegt der Schaden zwischen 5 und 15 % des Kaufpreises. Wo genau, hängt vom einzelnen Fall ab.

Was ist der aktuelle Stand im Mercedes-Dieselskandal?

Seit März 2026 hat der Oberste Gerichtshof dem Europäischen Gerichtshof neue Fragen gestellt, im April 2026 auch in einem Fall zu einem Mercedes GLC 250d. Es geht vor allem um Autos, die das Abgas zusätzlich mit AdBlue reinigen: ob die ganze Abgasreinigung zählt oder ein einzelnes Teil, wer was beweisen muss und ob die Grenzwerte auch beim normalen Fahren gelten. Diese Fälle warten auf die Antwort. Das Urteil vom November 2025 gilt weiter.

Gilt das auch für Fahrzeuge von Daimler?

Ja, es ist derselbe Hersteller. Die Mercedes-Benz Group AG hieß bis 2022 Daimler AG. Entscheidungen und Rückrufe, in denen Daimler genannt wird, betreffen Mercedes-Benz-Fahrzeuge.

Ich habe mein Fahrzeug gebraucht gekauft. Spielt das eine Rolle?

Der Fall, über den der Oberste Gerichtshof im November 2025 entschieden hat, betraf ein gebraucht gekauftes Fahrzeug. Ob und wie sich das auf Ihren Fall auswirkt, kann nur im Einzelfall geprüft werden.

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Ähnliche Fälle

Quellen

  1. OGH 11.11.2025, 1 Ob 116/25b, Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), 11.11.2025
  2. OGH 21.04.2026, 10 Ob 23/26v (Vorabentscheidungsersuchen, Mercedes GLC 250d), Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), 21.04.2026
  3. Rechtssatz RS0142803: Vorlagen an den EuGH zu Abschalteinrichtungen (ab 3 Ob 31/26v), Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), ab 25.03.2026
  4. EuGH, Rechtssache C-100/21, Mercedes-Benz Group (Urteil vom 21.03.2023), Gerichtshof der Europäischen Union (Curia), 21.03.2023
  5. EuGH, Rechtssache C-666/23 (Urteil vom 01.08.2025), Gerichtshof der Europäischen Union (Curia), 01.08.2025
  6. EuGH, Rechtssache C-128/20, GSMB Invest (Urteil vom 14.07.2022), Gerichtshof der Europäischen Union (Curia), 14.07.2022
  7. Verordnung (EG) Nr. 715/2007 über die Typgenehmigung (Euro 5 und Euro 6), EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der EU
  8. Mercedes-Benz OM 651 (Bauzeitraum und Einbau nach Baureihen), Wikipedia
  9. Mercedes-Benz: Aktuelle Infos zum Mercedes-Abgas-Rückruf, ÖAMTC, 15.06.2018
  10. Mercedes-Rückruf: Mehr als 100.000 Fahrzeuge betroffen, ADAC, 21.12.2023
  11. Abgasthematik: Übersicht der Fahrzeugvarianten und Rückrufe, Kraftfahrt-Bundesamt

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